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Interview von Patrick Holtheuer per Mail im November 2007
Das folgende Interview mit Kai Schwind und Sven Buchholz führte Patrick Holtheuer per Mail im November 2007.
Frage: Hallo liebe Ferienbande, wer seid ihr eigentlich, wo kommt ihr her, wo geht ihr hin?
Kai: Wir sind die Ferienbahaaande! Und die besteht aus Kai Schwind (Konzept, Buch, Regie & Baul), Sven Buchholz (Konzept, Technik, Bernd & Bröckchen), Chris Peters (Babsi), Katrin Wiegand (Konzept, Buch), Viktor Weimer (Musik). Und im erweiterten Sinne Matthias Keller (Erzähler), Christoph Möller (Erzähler Live) und Anna Küchler (Liveshow Koordination).
Sven: Du willst jetzt aber nicht wirklich von jedem von uns einen kompletten Lebenslauf, oder?
Frage: Wie kommt man eigentlich auf die Idee, sämtliche Jugendhörspielserien durch den Kakao zu ziehen? Traumabewältigung oder doch eher eine ganz eigene Huldigung der alten Helden?
Kai: Naja, so ein bisschen von beidem, würde ich sagen. Ich bin ja hauptsächlich mit Drei ??? und TKKG aufgewachsen und die gehörten als Kind eben so ganz un-hinterfragt zum Alltag.
Sven: Stimmt, meine Serie waren ja die Fünf Freunde und es hat mich nie gewundert, dass da vier Kinder mit Hund den ganzen Tag machen konnten, was sie wollten. Aber Huldigung alter Helden? Ich glaube nicht, dass wir die „Hörspielhelden“ auch wirklich als Helden gesehen haben. Auch wenn die Sachen machen konnten, die wir nicht durften, war man mit ihnen doch irgendwie immer auf einem Level – so ist das Hören der Hörspiele heute ein bisschen wie „alte Freunde von damals“ zu treffen.
Kai: Man hört das fast jeden Tag und alles ist gut. Aber dann kommt man in die Pubertät und andere Dinge werden wichtig. Und dann hört man plötzlich eine TKKG Folge und beginnt sich über sehr viele Dinge zu wundern: Wieso ist Tarzan so ein Klugscheisser? Warum wird Gaby als Mädchen eigentlich permanent diskriminiert und warum erkennt man böse Menschen eigentlich immer schon am Aussehen (oder im Fall von „Ufos in Bad Finkenstein) am Geruch?) Diese unfreiwillige Komik habe ich also schon früh, so mit 12/13 bemerkt, mich dann aber jahrelang nicht mehr groß mit dem Thema beschäftigt. Erst als wir dann anfingen mit der Radio Comedy, viele Jahre später, wurde eine konkrete Idee daraus. Aber um deine Frage zu beantworten: ich sehe die Ferienbande immer sowohl als Parodie als auch als Hommage. Wir huldigen diesem Genre, den Geschichten und dem Sound mit dem wir aufgewachsen sind.
Frage: Wie erklärt ihr euch das Phänomen der „Kassettenkinder“?
Kai: Ich glaube, dass in unserer Generation, also grob gesagt, den in den 70er Jahren geborenen Menschen, ein ganz besonders ausgeprägtes Nostalgiebedürfnis vorherrscht. Das liegt wahrscheinlich zum einen an den ganzen globalen Verunsicherungen, mit denen wir täglich zu kämpfen haben (also die Aufweichung von klaren Werten, dem Neudefinieren was eigentlich Sicherheit im Leben und im Beruf bedeutet und natürlich auch dem ganzen postmodernen Overkill in den Massenmedien) und zum anderen an dieser einzigartigen Kollektiverfahrung, also dass da wirklich Millionen von Kindern mit den gleichen Geschichten zum gleichen Zeitpunkt groß geworden sind. Das verbindet. Und wir wollen alle immer wieder in dieses wohlige Kindheitsgefühl zurück. Das Hörerlebnis ist bei Kindern dann eben auch noch ganz besonders intensiv, deshalb können ja auch so viele die Folgen heute noch auswendig. Ein bisschen schräg ist es allerdings schon, dass da mittlerweile erwachsene Menschen immer noch Geschichten von jugendlichen Detektivbanden hören. Und geschlechtsreife Menschen, die nachts im Bett laut „Wir sind die Fünf Freunde…“ singen, anstatt andere Dinge zu tun, sind schon irgendwie abnormal. Aber da liegt ja auch wieder die Komik, die wir mit der Ferienbande beackern.
Sven: Ich glaube nicht, dass das Nostalgiebedürfnis so sehr im Vordergrund steht – viel eher glaube ich, dass wir alle mit den Jugendhörspielen vorwiegend positive Erinnerungen verbinden. Dies waren die Hörspiele, die uns jeden Abend in den Schlaf gesäuselt haben und es waren diese Hörspiele, die uns in jeden Urlaub auf jeder langen Auto- oder Zugfahrt begleitet haben. Letztlich flüchten wir uns doch alle in dem Moment, in dem wir den Kassettenrekorder einschalten, in die „heile Welt“ von damals, in der mit 100%iger Sicherheit alles gut ausgeht. Das ist das garantierte Happy End. Wo und wann sonst im Leben haben wir das schon noch?
Die Tatsache, dass es möglich ist, als Erwachsener Jugendhörspiele zu hören und dies nicht nur für sich zu behalten sondern damit auch nach außen zu gehen und dann – wie Kai schon sagte – das Kollektiv-Erlebnis zu erfahren, ist sicher auch ein Zeichen unserer aufgeklärten Zeit. Jugendhörspiele zu hören ist bestimmt nicht „cool“ im klassischen Sinn. Aber in einer Zeit, in der Nerds und Geeks die neuen Helden sind kann man auch dazu stehen, dass man sich hier und da in die sicheren vier Wände der Kindheit zurücksehnt.
Vielleicht wird das aber auch zu einem Problem unserer Zeit: Während frühere Generationen ihre Unsicherheiten in Auflehnung gegen gesellschaftliche Konventionen und ähnliches wandelten, flüchten wir uns in die einsame Stille des leisen Surrens von Kassettenbändern. Vielleicht ist gerade hier die Ferienbande die kleine 68er Revolution von heute…
Frage: War das Projekt sofort als Hörspielserie angelegt oder doch eher als Bühnenprogramm?
Kai: Los ging’s ja als Radio Comedy Serie bei You FM, der Jugendwelle des Hessischen Rundfunks. Für den Sender haben wir bereits andere Radio Comedy gemacht (Die Discotürsteher und Ein Praktikant für alle Fälle) und die Ferienbande war so eine etwas aufwendigere Idee aus der Schublade, die wir dann dem zuständigen Redakteur als Special zum Sommerprogramm vorgeschlagen haben. Wir haben dann in den Sommerferien 2003 sechs Folgen produziert – quasi Minihörspiele, ohne eine wirkliche Handlung und die Parodie auf das Genre sehr komprimiert und übertrieben. Aus irgendwelchen Gründen, kam das nicht nur in Hessen prima an, sondern auch über die Hörspiel-Foren im Internet kam jede Menge begeistertes Feedback. Die wollten alle die Folgen haben, runterladen etc. Da haben wir gemerkt: oh, hier funktioniert was. Unser damaliges Management und Label, Fun Station, mit denen wir auf der Suche nach einem gemeinsamen CD Projekt waren, hat dann vorgeschlagen, warum macht ihr eigentlich kein Lang-Hörspiel daraus und parodiert das Ganze ordentlich? Tja, und dann haben Katrin Wiegand und ich, wie blöd Hörspiele gehört, alles notiert was wir „parodierungswürdig“ fanden und dann auf sehr unorthodoxe Weise und unter großem Zeitdruck das Skript geschrieben. Von der Entscheidung „Ok, wir machen es“ zum Release waren nämlich gerade mal 7 Wochen Zeit, sehr naiv waren wir damals noch, aber es hat hingehauen.
Riesen Glück hatten wir dann auch noch mit unserem kleinen Team – also Chris Peters, die die Babsi einfach „spot on“ spricht. Viktor Weimer, den ich für ein musikalisches Genie halte (und der für seine Arbeit für die Ferienbande auch schon von Carsten Bohn, also Bert Brac persönlich, gelobt wurde). Und Matthias Keller, den wir vorher „nur“ als Sänger der wunderbaren Acapella Gruppe „U-Bahn Kontrollöre in tiefgefrorenen Frauenkleidern“ kannten, der aber auch ein toller Sprecher ist. Er hat die Radio Folgen gehört und dann sofort als Erzähler für die erste CD zugesagt. Der ist auch ein echter Hörspielfan und Connaisseur. Und ein großer Knallkopf, ist immer ein großer Spass im Studio, mit dem KellerMatt.
Frage: Inwiefern unterscheiden sich die Hörspiele von den Live-Auftritten der Ferienbande?
Kai: Der sich aufdrängende Dumm-Witz ist: die Hörspiele hörst du im CD Player und die Liveshows schaust du im Club. Ok, haben wir das auch erledigt. Wichtig ist erstmal, dass wir auf der Bühne nicht die Hörspiel-Stories aufführen, sondern es sind eigens für die Bühne konzipierte Stücke. Also, im Hörspiel kommt es natürlich auf die Details an (Sound, Musik, Gastprecher, komplexere Geschichte) und Live geht es eben effekthascherischer zu, auch viel visueller, man will und soll ja auch was zu sehen bekommen. Dann kommt Live noch eine andere Komikebene dazu – die offensichtliche Diskrepanz zwischen Sprecher und Figur. Wir sprechen ja alle mehrere Rollen und das macht dem Publikum dann großen Spaß, vor allem, wenn wir uns verhaspeln oder wie’s mir schon passiert ist, im Dialekt vertun. Die Ferienbande-Live war jedenfalls eine späte, fast zufällige Entwicklung.
Frage: Ihr baut ja gerne mal Gäste ein, wie z.B. Comedian Johann König oder halt auch Hörspiellegenden wie Lutz Mackensy und Konrad Halver. Wie kommt es zu solchen Auftritten und sind weitere geplant?
Kai: Vorsicht, nicht durcheinander bringen. Live haben wir bis jetzt „nur“ mit Johann König, Hennes Bender und Oliver Rohrbeck auf der Bühne gestanden. Johann und Hennes sind bekennende Fans der Ferienbande Hörspiele gewesen und waren ja auch beim „vollgemeinen Phantom“ dabei. Da haben wir uns kennen gelernt, sind in Kontakt geblieben und haben dann irgendwann überlegt, ob wir nicht einen großen gemeinsamen Gig in Köln im Gloria-Theater hinkriegen. Das hat dann im Januar 2007 tatsächlich geklappt, wir haben den beiden auch extra Rollen auf den Leib geschrieben und hatten einen sehr spassigen Abend. Olli Rohrbeck hat uns in seine Lauscherlounge in Berlin eingeladen und da haben wir ihn einfach gezwungen mitzumachen. Das war schon sehr abgefahren, mit dem echten Justus Jonas die Bühne zu teilen. Olli Rohrbeck ist übrigens einer der großzügigsten und nettesten Menschen, die ich in dieser Branche bis jetzt kennen gelernt habe.
Die Erlebnisse und Kontakte zu den anderen Gastsprechern, die bei den CDs dabei waren, waren natürlich auch alle toll (bis auf eine einzige Ausnahme, aber wer das war, verrate ich nicht!), aber das alles zu erzählen sprengt jetzt wirklich den Rahmen.
Frage: Die dritte Folge der Ferienbande ist bei WortArt erschienen, wie kam es zu dem Deal und was hat euch dazu bewogen, diesen Schritt zu machen?
Kai: Nun ja, die Hörspielbranche ist ja trotz des allgemeinen Hörspielbooms nicht unbedingt ein Pflaster wo man unglaubliches Geld machen kann, schon gar nicht in der Nische des Comedy Hörspiels.
Sven: Es ist aber schon interessant, wie man von außen betrachtet wird. Wir sind ja nun auch alles andere als alte Hörspielhasen – waren aber sehr schnell mit der Erwartungshaltung konfrontiert, die man an eine gestandene Serie stellt. Aber Parodie zu produzieren ist doch immer noch etwas anderes als „nur“ eine weitere Folge in einem bereits organisiert konzipiertem Konzept (ohne den Autoren und Produzenten der „große“ Serien zu Nahe treten zu wollen). Am meisten von allen Feedbacks hat uns aber überrascht, welche Meinung über Produktionskosten und Einspiel-Ergebnisse bei Hörspielen anscheinend vorherrscht – uns wiederum hat die Erfahrung überrascht, mit welch kleinen Budgets selbst große Produktionen auskommen müssen. Da haben wir mit der Ferienbande – ohne uns dessen bewusst zu sein – ziemlich schnell in einer anspruchsvollen Liga gespielt.
Kai: Wir wollen ja auch nicht unbedingt „unglaubliches Geld machen“, aber wir waren Ende 2005 eben der Meinung, dass wir das Projekt Ferienbande und vor allem das dahinter stehende Geschäftsmodell neu organisieren müssen. Da haben wir uns dann von unserem vorherigen Label und Management getrennt und langsam und zunächst etwas unkoordiniert, die Suche nach einem neuen Label begonnen. Wir haben zwischenzeitlich sogar überlegt, die CDs selbst zu vertreiben, dann aber gemerkt, dass man dann kaum noch zur kreativen Arbeit kommt. WortArt war dann eigentlich bald schon eine Wunschadresse, denn wir fühlten uns in diesem Sortiment zwischen Comedy, Kabarett und Hörspiel (Sinclair) schon gut aufgehoben. Dann hat es nach etwas Werben geklappt und wir sind froh, eine neue Heimat zu haben. Unser eigenes Label „Hufsound“ co-produziert das Ganze ja nach wie vor und wir haben da wirklich die komplette kreative Kontrolle, das ist also traumhaft.
Frage: Mal ehrlich, die Veröffentlichungspolitik war ja bisher nicht das Gelbe vom Ei und gerade auf die dritte Folge durfte man viel zu lange warten. Wie wollt ihr euch aus der Nummer jetzt rausreden? Irgendwelche Entschuldigungen?
Kai: Du formulierst das schon sehr richtig: ihr „durftet“ warten. In den Staub mit euch, ungeduldiges Pack! Aber ehrlich, dass das so lange gedauert hat, hatten wir natürlich auch nicht beabsichtigt. Das war eine Kombination aus der Label-Suche Phase und aus der Tatsache, dass wir 2006 sehr mit den Live-Shows beschäftigt waren. Dazu kam dann auch noch, dass wir eben alle auch noch andere Sachen machen und man manchmal nicht kontinuierlich an einem solchen Herzblut-Projekt arbeiten kann. Die Aufnahmen haben sich dementsprechend fast über ein Jahr gestreckt. Das muss ich auch nicht noch mal haben.
Frage: Wird das noch mal passieren? Ich hoffe ja nicht, sonst...
Kai: …kannst du’s auch nicht ändern?
Frage: Wie geht ihr mit Kritik um? Hört ihr euch das an?
Kai: Na, logo. Kritik, vor allem negative ist ja meistens sehr interessant und hilfreich. Ich persönlich habe so eine kleine Gruppe Menschen, deren Urteil mir ganz besonders wichtig ist und auf die ich auch höre und deren Meinung ich mir zu Herzen nehme.
Sven: Ja, irgendwie sind wir alle auch ein bisschen süchtig nach den Kritiken. Nach den CD-Veröffentlichungen schicken wir uns unsere Kritik-Fundstücke immer gegenseitig zu und ehrlich gesagt ist die enttäuschenste Kritik die, die nicht existiert! Es gibt nichts schlimmeres als einen großformatigen Artikel mit Foto, Cover und allem drum und dran, bei dem man während des Durchlesens merkt, dass da eigentlich nur der Pressetext irgendwie umformuliert und mit einem „gefällt mir (nicht)“ ergänzt wurde…
Kai: Feedback von Fans, per Mail im Gästebuch oder auch nach den Liveshows ins Gesicht gesagt, ist meistens auch sehr interessant.
Sven: Ja, gerade nach den Liveshows merkt man im Gästebuch ob der erste Eindruck des Abends stimmte oder nicht. Wenn man von der Bühne runterkommt, gehen die Kommentare, die man hört durch den Bühnennebel… Wenn am nächsten Tag aber einige Kommentare im Gästebuch stehen, dann weiß man, dass man ein bleibendes Erlebnis hinterlassen hat. Ja, dann hat jemandem offensichtlich der Abend so gut gefallen, dass es ihm Wert war, den PC nochmal einzuschalten und einen Kommentar zu schicken. Oder auch – noch deutlicher – wenn uns jemand in’s Gästebuch schreibt, dass er nach der Pause gegangen ist…
Kai: Unqualifiziertes Gemotze nervt natürlich nur und manchmal wundere ich mich schon sehr über einzelne Meinung. Wenn z.B. Menschen, die Ferienbande völlig unironisch als eigenständige Jugendhörspielserie unter vielen wahrnehmen und uns abstruse Vorschläge für neue mögliche Plots schicken. Auch die Diskussionen über „Niveau“ und „Geschmacksgrenzen“ können auch sehr anstrengend sein. Nein, wir verherrlichen keine Gewalt gegen Frauen und, nein, wir verharmlosen auch nicht das dritte Reich. Ansonsten bin ich glaube ich wirklich selbst mein härtester Kritiker. Manchmal komme ich nach einer Show von der Bühne und bin davon überzeugt, dass das ganz miserabel und fürchterlich war. Es gibt auch manche Aufnahmen von mir, die kann ich nicht hören, ohne dass sich mir die Haare zu Berge stellen. Gott sei Dank ist bei der Ferienbande da nichts dabei. Nur den „Zweiten“ aus der anderen Bande, im vollgemeinen Phantom, den würde ich heute anders machen.
Sven: Leider habe ich bis heute von außen noch keine Anmerkung zur „Baronin“ bekommen. Da bin ich mir immer noch nicht sicher, ob über mich, die Rolle oder das entgeisterte Gesicht von Kai neben mir gelacht wird…
Frage: Wer hat denn das Titellied verbrochen? Zum einen ist es eine gekonnte Persiflage auf eine der schlechtesten Varianten der TKKG-Titellieder, zum anderen auch noch ein Stück mit Ohrwurmcharakter.
Kai: Absolut! Das stammt, wie auch die restliche Ferienbande Musik, von unserem Komponisten Viktor Weimer. Viktor ist ein langjähriger und guter Freund von mir und hat schon die Musik für unsere Radio Comedy gemacht. Der ist ein richtiger Bastler und Instrumente-Nerd und hat mit der Musik wirklich den Nagel auf den Kopf getroffen. Das ist eine wunderbare Hommage auf den alten, einzig wahren EUROPA Sound von Carsten Bohn und seiner Band. Dabei setzt Viktor natürlich auch eigene Akzente und hat so der Ferienbande eine eigene musikalische Identität gegeben. Ich hoffe wir können eines Tages die ganze Musik mal als Soundtrack veröffentlichen. Das tut immer so weh, wenn man im Hörspiel nach ein paar Sekunden wegblenden muss.
Frage: Es gibt da ja noch ein paar Radioepisoden der Ferienbande, wird es die irgendwann mal auf CD geben?
Kai: Richtig, insgesamt glaube ich 21 Folgen. Viel Holz. Seit 2005 produzieren wir keine Radio Comedy der Ferienbande mehr, weil es leider den meisten Radio Sendern nicht ins durchformatierte Konzept passt. Ich finde das sehr schade, denn davon würde ich wirklich gerne mehr machen. Veröffentlichen würden wir die Folgen auch gerne, aber da müssen wir uns erst noch mal ein schönes Konzept zu überlegen.
Sven: Da wir immer so viele Anfragen zu den Radiofolgen bekommen, haben wir sie zunächst mal auf die Homepage gestellt. So haben ja alle was davon. Im Radio ist das Zeug für den Hörer ja auch umsonst gelaufen ;-)
Frage: Wem würdet ihr diese Serie empfehlen?
Sven: Allen! Sollen bitte so viele wie möglich unsere CDs kaufen. Wem die CDs dann nicht gefallen, der kann sich gerne von uns eine Spendenquittung mit dem Text „Finanzierung der nächsten Folgen“ ausstellen lassen.
Kai: Allen, die mit den Jugendhörspielen oder einer etwas anderen Art von akustischer Comedy was anfangen können.
Sven: Ach ja, man kann es nicht oft genug sagen: Die Ferienbande ist kein Kinderhörspiel! Also liebe Omas, die Ferienbande gehört nicht in den Weihnachtsstiefel für die lieben Kleinen, ok?
Habt ihr auch andere Hörspiele in die Welt gesetzt oder nur die Ferienbande?
Kai: Von 2001 – 2007 haben wir ja sehr viel Radio Comedy Serien für verschiedene Sender in ganz Deutschland gemacht und da gibt es auch zwei CD Veröffentlichungen („Eins Dreissig, 2004 und „Die Discotürsteher – Heute nur privat“, 2005), andere Hörspiele haben wir mit unserer Produktionsgesellschaft „Hufsound“ nicht produziert, aber wir waren bei anderen Produktionen in verschiedensten Funktionen beteiligt. Sven und ich haben zum Beispiel beide eine kleine Rolle bei „Otherland“ gesprochen. Co-Autorin Katrin Wiegand hat u.a. für den Argon Verlag die Hörspielsoap „Und nebenbei Liebe“ geschrieben. Ich arbeite außerdem in der Funktion als Regisseur und Autor an anderen Sachen.
Wie sieht das Leben nach der Ferienbande aus?
Sven: Warum „nach“ der Ferienbande? „Nach“ würde ja bedeuten, dass es mal vorbei ist – das glaube ich nicht. Selbst wenn die Zeit kommt, in der wir nicht auf der Bühne stehen und keine Ferienbande-CDs produzieren bleiben wir doch immer irgendwie diese chaotische Ferienbande. Das ist auch schon wieder irgendwie Nostalgie im Kleinen.
Kai: Wundervoll… naja, wer weiß? Aber irgendwann wird es sicher Zeit, die Welt der Hörspielnostalgie mal zu verlassen. Ich kann mir schon noch einiges mit der Bande vorstellen, aber man darf die Figuren auch nicht überstrapazieren.
Frage: Gibt es irgendwelche Anekdoten, von denen ihr den Lesern berichten wollt? Hat jemand mal im Studio laut einen fahren lassen oder sich beim Studium der Texte vor Schreck übergeben?
Kai: Meistens furzt im Studio nur Svens Hund. Das ist wirklich eine eigene Liga. Im Studio haben wir auf jeden Fall immer viel Spass. Vor allem mit Matthias Keller. Da gibt es wirklich großartige Outtakes, leider kann man die nicht veröffentlichen, weil wir sonst alle in den Knast kämen.
Sven: Seltsamerweise hat immer irgendeiner von uns gerade Schnupfen und eine scheint Anbeginn der Ferienbandenzeitrechnung dauzerschwanger zu sein. Und dann gibt es noch zwei Produzenten, die den gleichen Toilettenrhythmus haben – das spart Produktionszeit, sofern es zwei Toiletten in der Nähe gibt…
Frage: Gab es auch mal Momente, als ihr von dem ganzen Kram die Nase voll hattet und dann doch lieber Diplom-Busfahrer oder Stuntmen werden wolltet?
Kai: Ich bin Diplom-Busfahrer und Stuntmen (oft auch gleichzeitig).
Sven: Die Ferienbande lebt davon aber leidet auch darunter, dass wir alle noch etwas anderes machen…
Frage: Seid ihr selber auch Fans und hört ihr gerne mal das eine oder andere Hörspiel oder Hörbuch oder denkt ihr „Nee, Hörspiele sind für Kinder und Kinder sind doof!“?
Kai: Na, was ne Frage! Selbstverständlich bin ich Hörspiel-Fan! Ich liebe dieses Medium, gleiches gilt für Hörbücher. Wann immer ich kann, wird was gehört. Seit dem ich meinen 80 GB ipod habe, ist das so gar noch praktischer, weil man da alles draufpacken kann, was geht. Es gibt viele großartige Produktionen in Deutschland, leider aber auch ne Menge Mumpitz. Mit am Liebsten höre ich übrigens die Hörbücher von Max Goldt. Der schreibt nicht nur genial, sondern ist außerdem ein toller Vorleser.
Sven: Zum Einschlafen gibt’s nach wie vor die drei Fragezeichen, beim Autofahren Hörbücher oder Lesungen und wenn ich dazu die Zeit habe höre ich auch gerne mal ein „richtiges“ Hörspiel – das kommt aber leider viel zu selten vor.
Was wünscht ihr euch zu Weihnachten?
Kai: Ein Megaphon.
Sven: Ist schon wieder Weihnachten? Krass, wie schnell 8 Monate vergehen.
Frage: Noch ein paar Worte für die Millionen von Fans da draußen?
Kai: Kauft unsere CDs und kommt zu unseren Shows und wir haben ausgesorgt.
Frage: Ich danke für das Interview!
Kai: Hau ab, jetzt!
Sven: Wo ist denn hier die Toilette?
