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Interview von Patrick Holtheuer per Mail im November 2010
Das folgende Interview mit Kai & Sven führte Patrick Holtheuer per Mail.
Hallo Kai und Sven, ihr Ferienbanditen, wie geht es euch?
Kai: Du schon wieder. Bis eben ging’s mir gut!
Sven: Da wir ja eigentlich jetzt fast ein halbes Jahr Ferien hinter uns haben, sollte es uns doch eigentlich ganz gut gehen. Wenn ich aber an das Ende der letzten Folge denke…
Ihr habt die Ferienbande nun endgültig gekillt und setzt euch in naher Zukunft mit euren erworbenen Hörspielmillionen in die Karibik ab, ist das korrekt?
Sven: Leider Nein – Hörspiele zu machen, und gerade für eine Nische, wie die, in der sich die Ferienbande ja seit Jahren befindet, ist leider nicht so einträglich wie man meinen könnte. Uns war es immer wichtig, dass wir alle Sprecher und Mitmacher so entlohnen können, dass sie uns und die Produktion in guter Erinnerung haben und dem Projekt gerne weiter treu bleiben… unterm Strich bleibt da aber nicht viel übrig und das auch nur, weil viele sich auch unentgeltlich dem Projekt widmen! All denen möchte ich hier nochmal einen riesen Dank aussprechen! Ohne Euch wäre das Projekt heute nicht da wo es jetzt ist. – Wo ist es jetzt eigentlich?
Kai: Das fragen sich glaube ich viele derzeit. Ja, wir haben uns mit dem Ende des „kolossalen Terrors“ ein ganz schönes Ei gelegt. Auf der einen Seite war es schon ein echter Befreiungsschlag, die Bande am Ende einfach in die Luft zu jagen und damit das letzte große Tabu zu brechen, dass das Jugendhörspiel-Genre noch hat, auf der anderen Seite haben wir aber selbst überschätzt wie viele treue Fans die Bande selbst mittlerweile hat und wie lieb diese die Figuren gewonnen haben. Da gab es richtig heftige Proteste und böse Mails. Es gibt natürliche diverse Möglichkeiten wie es weitergehen könnte, aber wir lassen uns da noch ein bisschen Zeit. Sven und ich hatten allerdings neulich beim Versacken eine sehr coole Variante, die es wahrscheinlich wird.
Was habt ihr denn für die Zukunft auf der Pfanne? Bröckchens Erbschaft bestehend aus Wurst und anderen Fressalien oder etwas völlig unferienbandiges?
Kai: Sowohl als auch. Die Ferienbande wird uns in verschiedener Form auch demnächst weiter beschäftigen. Vielleicht können wir an dieser Stelle schon mal exklusiv verraten, dass Anfang 2011 bei WortArt eine Ferienbande Box erscheinen wird – Teil 1 bis 6 in schicker neuer Verpackung. Das ist was für die Sammler. Ich persönlich werde nächstes Jahr diverse Projekte realisieren, die so gar nichts mit Ferienbande zu tun haben, u.a. auch ein paar düstere und gruselige Stoffe, da freue ich mich schon sehr drauf.
Live-Hörspiele sind ja zur Zeit schwer in und auch ihr wollt der Welt da draußen eure Sachen aufzwingen und bis zu ihnen nach Hause kommen, auf Hochzeiten spielen, in Nachbars Gartenlaube oder in Deutschlands Bundesligastadien auftreten. Erzählt doch bitte mal was über die anstehende Tour.
Sven: Ich habe keine Ahnung, außer dass gesungen wird!
Kai: … und wir wissen noch nicht mal was ;-) Nein, wir sind Mitten in den Vorbereitungen und es gehört in der Tat zum Wesen der Ferienbande, dass wir noch am Premierentag Sachen verändern, deshalb wollen wir inhaltlich gar nicht so viel verraten, außer dass die Ferienbande den verflucht dreckigen Schrat jagen und sicher wieder auf ganzer Linie scheitern wird.
Wir hatten einfach große Lust wieder auf Tour zu gehen und da musste ein neues Programm her. Wir sehen da übrigens auch keine Schwierigkeiten in Anbetracht des fatalistischen Endes der letzten CD. Denn erstens funktionieren die Live-Geschichten sowieso unabhängig von den CDs und zweitens ist diese Story natürlich ein Prequel.
Wer oder was ist der Schrat? Ist es der legendäre Waldschrat, dem ihr einen dicken Deal angeboten habt und der jetzt nur noch in eurem Auftrag umgeht?
Kai: Der Schrat ist eine richtig fiese Sau. Mit dem ist nicht zu spaßen. Also, Vorsicht!
Kai, du hast letztes Jahr die Live-Hörspiel-Tour der Drei ??? inszeniert (Die Drei ??? und der seltsame Wecker – Live and Ticking). Ist es dir eigentlich schwer gefallen, keine anzüglichen Witze einzubauen und fällt es dir jetzt schwer, wieder für die kleine Bühne zu inszenieren?
Kai: Naja, ein paar anzügliche Witze waren doch dabei ;-) Die Fragezeichen Tour war ein ganz großartiges Erlebnis und ich bin sehr Stolz darauf, was wir da geschaffen und geleistet haben, aber mir war von vorneherein klar, dass man sich bei einem solchen Projekt in den „Dienst einer Sache stellt“. Zum einen gab es die Original-Story ja schon und dann gibt es natürlich eine gewisse Erwartungshaltung der vielen Fans, die man erfüllen muss. Bei der Ferienbande, die ja von Kopf bis Fuß unser eigenes Projekt ist, kann ich mich viel mehr austoben. Es gibt da zwar auch ein paar Regeln, aber man kann viel mehr Grenzen sprengen und ausprobieren.
Was die Größe und den Umfang der Technik anbelangt bin ich natürlich verwöhnt von den Fragezeichen, aber es ist mindestens genauso schön mit einer kleinen Show und einem Bus voller guter Freunde über die Lande zu tingeln.
Irgendwie habt ihr ja jetzt schon alle Stars für eure Hörspiele verbraten oder gibt es noch den einen oder anderen Gast, den ihr unbedingt mal dabei haben wollt?
Sven: Auf jeden Fall! Wenn man mal ein bisschen über den Hörspiel-Tellerrand rausgeht und sich ansieht, was uns sonst im Alter der Kassettenkinder medial beeinflusst hat, fallen mir sofort z.B. Armin von der Sendung mit der Maus ein oder Peter Lustig – und hier würde sich der Kreis ja schon wieder schließen, da die Ex-Frau von Peter Lustig ja die Autorin von Bibi Bloxberg und Benjamin Blümchen ist…
Kai: Es gibt schon noch jede Menge Leute im Hörspielbereich, die ich mir bei der Bande gut vorstellen könnte. David Nathan zum Beispiel. Der wird ja immer sehr düster und böse besetzt, hat aber auch ein sehr komisches Talent (Er kann zum Beispiel sensationell ein quiekendes Schwein nachmachen, wie ich bei der Dracula-Tour dieses Jahr erleben durfte). Bei den Comedy-Leuten fände ich Bastian Pastewka, Anke Engelke und Hape Kerkeling toll. Mal schauen…
Welche Folge der Ferienbande hat euch persönlich eigentlich am besten gefallen, kann man nach sechs Folgen ein kleines Fazit ziehen?
Sven: Tja, ich glaube, dass ich auch mit einem großen Teil unserer Hörer konform gehe und mich für das Phantom entscheide… Auf Platz 2 und 3 folgen der Terror und das Geisterschiff, Folge 1 (die entsetzlichen Ferien) läuft natürlich außer Konkurrenz und ist über jede Kritik und Bewertung erhaben!
Kai: Ja, das ist interessant, das Phantom hat einfach rundherum funktioniert und deshalb ist es eigentlich auch meine Lieblingsfolge. Aber auch Teil 1 und 4 haben tolle Sachen und im kolossalen Terror gibt es ein paar Details bei denen ich mich vor Lachen nicht mehr einkriege. Ich habe neulich übrigens seit langem mal wieder Folge 3 gehört – eine Folge, die bei den Fans und auch einigen Kritikern gar nicht so gut weg kommt – und war erstaunt wie viel Spaß sie mir bereitet hat. Die gewinnt mit dem Abstand, würde ich sagen.
Wie schätzt ihr eigentlich den restlichen Hörspiel-Comedy Markt ein?
Kai: Naja, von einem „Markt“ zu sprechen ist glaube ich fast schon zu viel des Guten. Es gibt außer uns noch ein paar andere Produktionen, die auf Comedy setzen oder sagen wir mal „parodistische Ansätze“ haben. Letztendlich ist das ja eine Frage des Geschmacks, aber mich haut da wenig vom Hocker, wenn ich ehrlich bin. Eine rühmliche Ausnahme ist natürlich das Vollplaybacktheater – die liefern jetzt schon seit Jahren die gleiche Qualität und sind einfach rund um sensationell gut.
Hat die Ferienbande jetzt bei WortArt ein definitives Zuhause gefunden?
Sven: Auf jeden Fall! Und seit die ehemalige WortArt-Azubine unsere persönliche Ferienbande-Betreuerin wurde streben wir gemeinsam die Eroberung der Weltherrschaft an.
Wird es mal eine DVD zur Live-Tour geben?
Sven: Nein! (schaut zu Kai rüber, leise) oder doch?
Kai: Erst mal hoffe ich, dass es eine Live-Tour zur Live-Tour gibt und dann mal schauen.
Wenn ihr von heute auf morgen mit dem ganzen Hörspielquatsch aufhören würdet, was würdet ihr dann machen? Großwildjäger, Millionär, Revoluzzer?
Sven: Ich würde meine Gesangskarriere vorantreiben, mir bei Detlef D. Soost Tanzunterricht geben lassen und erst Superstar werden, dann bei X-Factor abräumen um schließlich als Supertalent meine restlichen Tage bei RTL, RTL 2 und Super RTL (absteigend in dieser Reihenfolge) in unerträglichen blond-und-blöd-Dokus abzusitzen…
Kai: Interessant, Sven. Ich würde Entwicklungshilfe leisten, in Afrika, und auch sonst selbstlos Gutes tun.
Möchtet ihr noch ein paar Worte an die Fans richten oder euch selber ein paar Fragen stellen, weil ich so schrecklich unkreativ bin?
Sven: Ok, hier ein paar Antworten: „Ja, ja, auf keinen Fall, wahrscheinlich 2014, blond, seit der 9. Klasse., schon immer“ Die Fragen zu den einzelnen Antworten dürft ihr selbst stellen und verteilen.
Das Interview mit Kai & Sven führte Patrick Holtheuer per Mail.
